Beispiel teilstationärer Pflege

Ein Tagesablauf

Am frühen Morgen treffen die Besucher in der Tagesstätte ein und frühstücken gemeinsam. Es gehört zu unseren Zielen, dass die Mahlzeiten selbständig eingenommen werden können. Je nach Schwere der Erkrankung werden Handlungsabläufe immer wieder berichtigt. Vier gemeinsame Mahlzeiten am Tag geben Gelegenheit, Unsicherheiten, die sich im Alltag als behindernd erweisen, durch unterstützende Hilfe des Pflegepersonals abzumildern.

Zweimal wöchentlich findet im Rahmen der Beschäftigungstherapie eine Mal- und Bastelstunde statt. Diese Therapie gehört zu den Verfahren, die sich gezielt auf die Kreativität Demenzkranker bezieht. Im künstlerischen Gestalten werden Gefühle erlebt und wieder neu erlebt. Bis in sehr späte Phasen der Erkrankung kann so wegen der lange überdauernden Emotionalität der therapeutische Zugang zu den Kranken erhalten bleiben.

Anschließend ist es Zeit, das Mittagessen vorzubereiten. Die Kochgruppe, die sich aus wechselnden Mitgliedern zusammensetzt, bespricht einmal in der Woche den Speiseplan und kümmert sich um die Zubereitung des Mittagessens. Wer geht wann und welche Zutaten einkaufen? Wer deckt den Tisch, wer serviert und wer räumt ab? Gemüse, Kartoffeln, Fleisch und Fisch werden immer frisch verarbeitet. Je nach Jahreszeit werden die entsprechenden Früchte und Obst eingemacht. Erdbeeren sortieren, waschen, putzen, wiegen und mit Zucker zum Kochen bringen:

Wenn die verbliebenen Ressourcen nicht ständig trainiert werden, gehen sie verloren. Daher verfolgen wir in unserem Konzept das Prinzip, dass alle Besucher so viel wie möglich in Herstellungsprozesse eingebunden sind und manuelle Tätigkeiten ausüben, die im Alltag von Gesunden üblicherweise häufig von Maschinen übernommen werden.

Unterschiedliche Krankheitsbilder sorgen für Konflikte innerhalb der Gruppe. Ob es sich um Geschirr spülen und abtrocknen handelt, Wäsche aufhängen, falten und bügeln, Staub wischen und Blumen gießen oder Marmelade einkochen, stets wird vom Pflegeteam darauf geachtet, dass im gruppendynamischen Prozess aufkommende Ungeduld des einen Teilnehmers in aktive Hilfe für den anderen umgelenkt wird. Neben dem Abbau von störendem Sozialverhalten zählt auch das Erreichen größerer Selbständigkeit und die Rückgewinnung verlorengegangener Kompetenzen, wie beim Essen oder sich waschen, zu unseren Aufgaben. Menschen mit Demenz benötigen häufig Hilfe bei der persönlichen Pflege und Hygiene. Der Verlust der Eigenständigkeit kann für die Betroffenen sehr unangenehm sein und wird daher mit größter Diskretion gehandhabt.

Nach dem Mittagessen legen die meisten Besucher der Tagesstätte eine Ruhepause im eigens dafür geschaffenen Bereich ein. Nachmittags findet das gemeinsame Kaffee trinken statt, zu dem häufig selbst gebackene Plätzchen oder Kuchen gereicht werden. Ab 15.00 Uhr füllen den Nachmittag Aktivitäten wie Hirnleistungstraining, das mit Gedächtnis- und Konzentrationsspielen neben Denksportaufgaben auch biografische Arbeit leistet. Bei der Orientierung auf positive Erinnerungen dienen alte Photografien, Geschichten, Gedichte oder Musikstücke aus bestimmten Lebensabschnitten als Anker. Die großzügige Gestaltung, helle und lichtdurchflutete Räume, die in freundlichen Farben gestrichen sind, tragen zum Wohlbefinden der Besucher bei, auch wenn diese einmal nicht bei den Aktivierungsmaßnahmen mitmachen wollen oder können. Besonders beliebt ist der Vogelbauer der Wellensittiche. Die Teilnahme am Schicksal der tierischen Freunde führt häufig zu Szenen, die nicht nur bei den Besuchern Emotionen wecken, sondern auch beim Pflegeteam. Am späten Nachmittag wird das Abendessen vorbereitet und nach einem gemeinsamen Abschiedsritual treten unsere Besucher die Rückfahrt an. Der hauseigene Fahrdienst bringt jeden persönlich zurück nach Hause und zur Wohnungstür.